„Wenn der Strom ausfällt, müssen Städte handlungsfähig bleiben"“
- Digitalministerin Sinemus besucht im Rahmen der ersten hessischen Resilienz-Woche das eHUB der TU Darmstadt
- Gebäude kann sich bei Stromausfall selbst versorgen
Darmstadt. Was passiert, wenn in einer Stadt für mehrere Tage der Strom ausfällt? Wie können wichtige Einrichtungen weiterarbeiten – und wie lässt sich vorhandene Energie dort einsetzen, wo sie am dringendsten gebraucht wird? Antworten auf diese Fragen erprobt die TU Darmstadt mit dem eHUB auf dem Campus Lichtwiese. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat das Gebäude heute während der ersten hessischen Resilienz-Woche besucht.
„Ein längerer Stromausfall darf nicht dazu führen, dass Städte handlungsunfähig werden. Deshalb müssen wir Lösungen entwickeln und erproben, die im Krisenfall funktionieren. Das eHUB zeigt sehr anschaulich, wie digitale Technik, erneuerbare Energien und intelligente Steuerung zusammenspielen können. Genau solche Lösungen brauchen wir, wenn wir kritische Infrastrukturen besser schützen und unser Land widerstandsfähiger machen wollen“, sagte Ministerin Sinemus.
Das eHUB kann sich bei einem Stromausfall vom öffentlichen Netz trennen und selbst mit Energie versorgen. Dafür nutzt es unter anderem Strom aus einer Photovoltaikanlage. Produziert das Gebäude mehr Energie als es selbst benötigt, kann es einen Teil davon auch an die Nachbarschaft oder Kritische Infrastrukturen weitergeben. Viele der heute installierten Photovoltaikanlagen sind nicht dafür ausgelegt, bei einem Stromausfall das eigene Gebäude weiter mit Strom zu versorgen. Sie schalten sich aus Sicherheitsgründen automatisch ab, weil die verbauten Wechselrichter nur im Zusammenspiel mit dem öffentlichen Stromnetz arbeiten. Das eHUB kann dagegen in den Inselbetrieb gehen. In der Krise könnte es Anlaufstelle für die Bevölkerung werden, um Energie bereitzustellen, aber auch um wichtige Informationen zur aktuellen Lage zu erhalten.
Entwickelt wurde das eHUB im LOEWE-Zentrum emergenCITY. Dort erforscht die TU Darmstadt seit mehreren Jahren, wie Städte und Infrastrukturen Krisen besser überstehen können. Nun sollen die Erkenntnisse stärker in die Praxis gelangen. Eine wichtige Rolle übernimmt dabei das Anwendungs- und Transferzentrum Digital Resilience Xchange (DiReX). Dort geht es darum, aus solchen dezentralen Lösungen eine tragfähige Notfallversorgung für den Krisenfall zu entwickeln. Gemeinsam mit Politik, Verwaltung, Behörden, Betreibern Kritischer Infrastrukturen und Wissenschaft untersucht DiReX, wie dezentrale Energiequellen zu Notfallnetzen verbunden und verfügbare Energie im Krisenfall gezielt für besonders wichtige Funktionen eingesetzt werden kann.
Konkret geht es beispielsweise darum, welche technischen Voraussetzungen es braucht, um Energie aus dezentralen Anlagen im Krisenfall nutzbar zu machen? Welche Funktionen müssen prioritär versorgt werden? Wie lassen sich etwa Kommunikationsinfrastruktur oder andere Kritische Infrastrukturen notfallmäßig weiterbetreiben? Nach welchen Kriterien wird die knappe Energie im Krisenfall verteilt? Werden solche Priorisierungsentscheidungen von der Bevölkerung akzeptiert? Und welche regulatorischen Voraussetzungen müssen dafür heute geschaffen werden? Das Hessische Digitalministerium fördert DiReX von 2025 bis 2027 mit insgesamt rund vier Millionen Euro aus Landes- und EU-Mitteln. Hinzu kommen rund eine Million Euro Eigenmittel der TU Darmstadt.
Beispiel für inselfähige Lösung zur Stromversorgung
„Eine sichere Energieversorgung ist eine wesentliche Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit unserer Gesellschaft. Mit dem eHUB zeigt die TU Darmstadt, wie Forschung zu anwendbaren Lösungen beitragen kann. Gemeinsam mit Partner:innen aus Politik und Praxis erproben und verbessern wir diese Lösungen, damit sie im Krisenfall eingesetzt werden können.“, erklärte Prof. Dr. Tanja Brühl, Präsidentin der TU Darmstadt.
„Resilienz entsteht vor der Krise. Wir müssen heute dafür sorgen, dass Bevölkerung und kritische Infrastrukturen auch bei länger anhaltenden Ausfällen handlungsfähig bleiben. Das eHUB zeigt, wie dezentrale, inselbetriebsfähige Lösungen zur Vorsorge der Bevölkerung beitragen und im Krisenfall zugleich für die Notversorgung kritischer Infrastrukturen genutzt werden können“, sagte DiReX-Direktorin Prof. Dr. Michèle Knodt.
„In der Krise könnten eHUBs dezentrale Notfallnetze bilden, die beispielsweise Handymasten oder Ampeln mit Strom versorgen. Dafür müssen jetzt schnellstmöglich die technischen und regulatorischen Voraussetzungen geschaffen werden“, so Prof. Dr. Florian Steinke, Professor für Energieinformationsnetze und -systeme an der TU Darmstadt und Principal Investigator am LOEWE-Zentrum emergenCITY.
Auch Drohnen spielen bei der Krisenvorsorge eine wachsende Rolle. Sie können beispielsweise beim Schutz kritischer Infrastrukturen, im Katastrophenschutz oder in der Logistik eingesetzt werden. Das Hessische Digitalministerium fördert deshalb auch das hessische Drohnenkompetenzzentrum am Flughafen Kassel-Calden, in dem neue Anwendungen unter realistischen Bedingungen getestet und weiterentwickelt werden.
Hintergrund: Resilienz-Woche Hessen
Vom 7. bis 13. September 2026 findet erstmals eine hessenweite Resilienz-Woche statt. Die Hessische Landesregierung will damit das Bewusstsein für Krisenvorsorge stärken und zeigen, wie sich Staat, Wirtschaft und Gesellschaft auf mögliche Krisen vorbereiten können. Hintergrund sind unter anderem Erfahrungen aus der Corona-Pandemie, Extremwetterereignisse, Sabotageakte und hybride Bedrohungen. Mit der Hessischen Resilienzstrategie und dem „Resilienzplan 2027“ arbeitet die Landesregierung daran, Verwaltung und Gesellschaft widerstandsfähiger zu machen.
Das Hessische Digitalministerium beschäftigt sich dabei insbesondere mit der Widerstandsfähigkeit digitaler Infrastrukturen. Dazu gehören unter anderem Festnetz, Mobilfunk und Rechenzentren. Im April 2026 hat das Ministerium erstmals ein länderübergreifendes Forum für Netzresilienz mit rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Forschung und Verteidigung veranstaltet. Für 2027 ist eine Fortsetzung geplant.
Darüber hinaus arbeitet das Ministerium gemeinsam mit Telekommunikationsunternehmen und Verbänden in einer eigenen Arbeitsgruppe zur Krisenvorsorge. Hessen beteiligt sich außerdem an der bundesweiten Krisenmanagementübung LÜKEX 2026, bei der Bund und Länder gemeinsam den Umgang mit einer lang anhaltenden Hitze- und Dürreperiode üben.
Bei Nachfragen wenden Sie sich gerne an: Alexandra Groth, stellv. Pressesprecherin
Quelle:
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