Melsungen baut digitales Energiemanagement auf
- Land fördert „Digitalen Bartenwetzer“ mit rund 485.000 Euro
- Projekt soll Energieverbrauch kommunaler Gebäude senken
Melsungen. Wie viel Strom, Wärme und Wasser verbraucht ein kommunales Gebäude – und wo geht unnötig Energie verloren? Die Stadt Melsungen will diese Fragen künftig mithilfe digitaler Technik beantworten. Den Anfang macht das Waldschwimmbad: Dort soll ein neues Energiemanagementsystem erprobt und anschließend auf weitere kommunale Gebäude ausgeweitet werden. Möglich wird das Projekt „Der digitale Bartenwetzer“ durch die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat den Bescheid über rund 485.000 Euro nun auf den Weg gebracht.
„Wer Energie sparen will, muss zunächst wissen, wo und wann sie verbraucht wird. Genau hier setzt Melsungen an. Sensoren liefern kontinuierlich Daten aus den kommunalen Gebäuden und machen damit sichtbar, wo Einsparpotenziale liegen oder ungewöhnlich hohe Verbräuche auftreten. Das hilft der Stadt, ihre Gebäude effizienter zu betreiben, Kosten zu senken und CO₂ einzusparen“, sagte Sinemus.
Im Waldschwimmbad sollen zunächst Sensoren und digitale Zähler installiert werden, die Strom-, Wärme- und Wasserverbräuche erfassen. Die Daten werden über ein sogenanntes LoRaWAN-Netz übertragen. Diese Funktechnologie benötigt wenig Energie und kann Daten über größere Entfernungen transportieren. Nach der Pilotphase soll das System schrittweise auf weitere kommunale Liegenschaften ausgeweitet werden, darunter Kindergärten, Rathaus, Bauhof, Sporthallen und Feuerwehrhäuser. Die Verbrauchsdaten sollen auf einer offenen Datenplattform zusammengeführt und über ein webbasiertes Energie-Dashboard ausgewertet werden. Mitarbeitende der Verwaltung, des Gebäudemanagements und der Hausmeisterdienste können dort Verbräuche und Entwicklungen verfolgen. Auffälligkeiten sollen dadurch schneller erkannt und Einsparmöglichkeiten gezielter identifiziert werden. Das System ist zugleich so angelegt, dass die digitale Infrastruktur später auch für weitere Anwendungen genutzt werden kann – etwa für Beleuchtung, Hochwasserschutz, Verkehrs- oder Parkraummanagement.
Melsungen entwickelt die Lösung nicht von Grund auf neu. Das Projekt greift Erfahrungen aus bereits umgesetzten Vorhaben unter anderem in der Region Schwalm-Eder-West, in Baunatal und Frankenberg (Eder) auf. Dort wurden digitale Energiemanagementsysteme beziehungsweise offene Datenplattformen bereits erprobt. Melsungen will diese Ansätze an die eigenen Anforderungen anpassen und miteinander verbinden. „Genau darum geht es bei unserer Transferförderung: Gute digitale Lösungen müssen nicht in jeder Kommune neu erfunden werden. Wenn eine Anwendung andernorts funktioniert, wollen wir sie übertragbar machen und dafür sorgen, dass möglichst viele Städte und Gemeinden davon profitieren. Melsungen nutzt vorhandene Erfahrungen und entwickelt sie für die eigenen kommunalen Gebäude weiter“, so Sinemus.
Zum Projekt gehört deshalb auch der Wissenstransfer. Gemeinsam mit Partnern wie VDI Nordhessen, VDE Nordhessen und den Beruflichen Schulen Melsungen sollen Erfahrungen aus dem Projekt weitergegeben und digitale Energietechnik stärker mit Ausbildung und Fachkräfteentwicklung verbunden werden. Geplant ist zudem eine Blaupause, die anderen hessischen Kommunen zeigt, wie sich ein vergleichbares Energiemanagement schrittweise aufbauen lässt.
„Wir wollen die Chancen der Digitalisierung konsequent nutzen, um unsere kommunalen Einrichtungen effizienter, nachhaltiger und zukunftsfähiger aufzustellen. Der ‚Digitale Bartenwetzer‘ verbindet moderne Technik mit einem ganz praktischen Nutzen für unsere Stadt: Wir schaffen eine bessere Datengrundlage, um Energie bewusster einzusetzen und Kosten langfristig zu senken. Zugleich möchten wir unsere Erfahrungen mit anderen Kommunen teilen und zeigen, wie digitale Lösungen vor Ort einen echten Mehrwert schaffen können“, erklärt Bürgermeister Timo Riedemann.
Hintergrund Förderprogramm „Starke Heimat Hessen“
Mit dem Programm „Starke Heimat Hessen“ werden die Kommunen bei wichtigen Zukunftsprojekten unterstützt. Über die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“ stellt das Land seit 2021 rund 15,5 Millionen Euro jährlich für kommunale Digitalisierungsvorhaben bereit. Bisher wurden beziehungsweise werden 149 Vorhaben mit einer Gesamtfördersumme von rund 110 Millionen Euro bewilligt. Seit 2025 ergänzt eine neue Förderlinie das Programm: Sie unterstützt die Nachnutzung erprobter, datenplattformbasierter Lösungen. Seit 2026 werden Kommunen zusätzlich über das neue Förderprogramm „kommunal.digital.hessen“ bei der Implementierung von Basistechnologien zur Verwaltungsdigitalisierung aus Mitteln des Programms „Starke Heimat Hessen“ unterstützt.
Um die Kommunen zu unterstützen, Austausch und Vernetzung zu ermöglichen, hat die Hessische Landesregierung im Frühjahr 2020 die Geschäftsstelle Smarte Regionen im Haus der Digitalministerin eingerichtet. Durch die Formate des Wissenstransfers der Geschäftsstelle Smarte Region, etwa durch die Best-Practice-Datenbank oder Erfahrungskreise, profitieren auch nicht geförderte Kommunen von der Förderung.
Nähere Informationen finden Sie unter www.digitales.hessen.de/Foerderprogramme/Starke-Heimat sowie unter www.smarte-region-hessen.de.
Bei Nachfragen wenden Sie sich gerne an: Alexandra Groth, stellv. Pressesprecherin
Quelle:
Hessisches Ministerium für Digitalisierung und Innovation
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Telefon: +49 611 32 114273
E-Mail: alexandra.groth@digitales.hessen.de
Internet: www.digitales.hessen.de