23.11.2023 Impressionen

23.11.2023

Digitale Städte – Digitale Regionen

Künstliche Intelligenz (KI) verändert unsere Welt. Auch für Gebietskörperschaften und kommunale Unternehmen ist diese Entwicklung von hoher Relevanz. Deswegen haben wir in diesem Jahr den Einsatz von KI in smarten Kommunen und Regionen fokussiert. In einem breit gefächerten Angebot - mit Keynote, Podiumsdiskussion, internationalem Online-Workshop, 31 interaktiven Barcamp-Sessions, 51 EXPO-Ausstellenden, Improvisationstheater und vielem anderen mehr - wurden Aspekte zu KI und weiteren smarten Themen adressiert. Unser Landespartner Norwegen war mit einer Delegation angereist. Wir danken allen Partnern, Mitwirkenden und Teilnehmenden, die das smarte Format mit erlebt und gestaltet haben für die spannende Veranstaltung! 

Fokus-Thema: „KI und Kommunen - einfach intelligent"

Weitere TOP-Themen für die Digitalisierung in Kommunen und Regionen wurden in den Barcamps-Sessions und auf den EXPO-Ständen der Ausstellenden diskutiert.

Der fünfte Landeskongress „Digitale Städte – Digitale Regionen“ fand am 23. November 2023 von 9.00 bis 17.30 Uhr wieder in Hanau statt. Nach fünf Jahren war es schön, wieder im Congress Park Hanau zu Gast zu sein - diesmal haben smart 360 Teilnehmende vor Ort und 290 online teilgenommen. Zum ersten Mal haben wir einen Landespartner begrüßt: Velkommen Norwegen! Wir freuen uns, dass eine norwegische Delegation an der EXPO, dem Online-Workshop und dem Barcamp mitgewirkt hat. 

Die Hessische Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Hanau und an den Bildschirmen gemeinsam mit dem Moderator Frederik Malsy. Sie wies darauf hin, dass innovative hessische Kommunen für 73 smarte Projekte eine Förderung vom Land erhalten haben. Für Kommunen sei die Digitalisierung eine wichtige Aufgabe, um sich zukunftsorientiert auszurichten.

„Unsere Anstrengungen der letzten Jahre, eine Smart Region-Community in Hessen aufzubauen, haben sich sichtlich gelohnt – das zeigt die Resonanz heute deutlich.“

Das unterstrich auch Christoph Bornschein, der diesjährige Keynote-Sprecher. In seinem umfassenden Vortrag über Künstliche Intelligenz in Kommunen zeigte er technologische Entwicklungslinien auf und konkrete Einsatzbereiche für kommunale Verwaltungen und Unternehmen - verbunden mit dem Appel, in Europa aktiv politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für eine zukunftsgerichtete Entwicklung und Nutzung der Technologie zu gestalten. Kurzfristig werde die Wirkung von KI überschätzt, langfristig werde sie massiv unterschätzt. 

In der anschließenden Podiumsdiskussion "Smart natürlich. Wie Kommunen heute ihre Zukunft gestalten" mit der hessischen Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus, Landrat Christian Engelhardt vom Kreis Bergstraße, Stephan Gieseler vom Hessischen Städtetag und dem Moderator Jan Eggers vom Hessischen Rundfunk wurden Herausforderungen, Erfolge und Perspektiven bei der Digitalisierung von Kommunen diskutiert. 

Danach stellten - im Rahmen des Barcamps - die interessierten Akteure ihre Vorschläge für die 31 interaktiven Sessions am Nachmittag vor. Nach einer Abfrage des Teilnahmeinteresses wurden die Räume und Zeiten der 35-minütigen Sessions zugewiesen, so dass diese nach der Mittagspause beginnen konnten. Der zeitgleich stattfindende internationale Online-Workshop "AI in our cities and regions" mit Beiträgen von Cornelia Dinca von Amsterdam Smart City, Pasi Rautio von City of Helsinki, Fredrik Syversen von IKT-Norge, Francesco Raphael Frieri von der Region Emilia-Romagna und einer Moderation von Hauke Schlüter vom House of Digital Transformation wurde von 40 Interessierten aus 11 europäischen Ländern besucht.

Begleitend bot die ausgebuchte EXPO mit 51 ausstellenden Unternehmen und Kommunen mit diversen Exponaten anschauliche Einblicke in smarte Produkte und Projekte. Auch die begleitende Kongressplattform stellte ergänzende Informationen und Vernetzungsmöglichkeiten bereit. In der Kongresswoche wurde die Plattform von 400 Akteuren zur Online-Teilnahme und zur Vor- und Nachbereitung genutzt. Nach der Kaffeepause wurde im Barcamp-Wrap-up noch einmal Resumee gezogen: Das interaktive Format wurde begeistert angenommen! Als fulminant unterhaltsamer Höhepunkt rundete das Improvisationstheater "Ohne Garderobe keine Haftung" die Veranstaltung ab.

3 Fragen an Christoph Bornschein

Gründer und Chairman TLGG GmbH
Keynote-Sprecher 


1 - Herr Bornschein, es gibt viele Definitionen von Künstlicher Intelligenz. Was verstehen Sie darunter und was hat das mit Kommunen zu tun?

In ihrer einfachsten Form ist Künstliche Intelligenz eine Form von „Advanced Analytics”, also dem Gewinnen von Erkenntnissen aus gewaltigen, für Menschen kaum zu erfassenden Datenmengen. Sie ist also eine Art Entscheidungsautomatisierung, die sich auf bestimmte Muster, ausgewählte Schwerpunkte und erwünschte Ergebnisse trainieren lässt. Das kann ein Text, Video oder Bild sein, aber eben auch ein Werkzeug zur Tumorerkennung, Verkehrsplanung, Maschinenwartung oder zum autonomen Fahren. In Kommunen werden täglich und auf etlichen komplex miteinander verwobenen Ebenen Entscheidungen getroffen. Künstliche Intelligenz ist ein Weg, die nötigen und sinnvollen Datenmengen zu erfassen, zu analysieren und zu klugen, effizienten und nachhaltig wirksamen Entscheidungen zu kommen – und zugleich Ressourcen freizusetzen, die sich statt kleinteiliger Fleißarbeit kommunal wertvollen Aufgaben widmen können.

2 - Ist das denn überhaupt etwas für kleine und mittlere Kommunen? Können Sie uns Beispiele nennen?

Der Einsatz von KI ist vor allem in zwei Bereichen sinnvoll und vergleichsweise einfach umzusetzen. Zum einen gilt dies dort, wo datenbasiert Entscheidungen getroffen werden – etwa bei der Stadt- und Verkehrsplanung oder der Vergabe von Kindergartenplätzen. Zum anderen lassen sich Vorgänge automatisieren, die ohnehin sehr strengen Mustern folgen – Anträge auf Ausweise, Zulassungen oder Leistungen lassen sich auch mit Chatbots erledigen. Wo kleine und mittlere Kommunen Ressourcen für menschennahe und sinnstiftende Arbeit freisetzen, der Nachhaltigkeit dienende Entscheidungen treffen oder etwa dem Fachkräftemangel in der Verwaltung begegnen wollen, bietet KI vielversprechende Ansätze.

3 - Kommunale Daseinsvorsorge heißt auch Verantwortung für sensible Bereiche: Was sollte daher beim Einsatz von KI im kommunalen Kontext besonders beachtet werden?

Zunächst gilt, was in Zeiten des Fortschritts immer gilt: Wo Arbeit automatisiert wird, werden Stellen verschwinden. Dessen sollten sich Gemeinschaften und Organisationen aller Art bewusst sein und entsprechende Vorsorge treffen – durch Weiterbildung, die Schaffung neuer Stellen und Positionen, die Aufwertung von Berufen etwa in Pflege und Bildung. Ein spezifisches KI-Problem ist, dass auch falsche Entscheidungen automatisiert werden können, wenn die zugrundeliegende Datenbasis und das Training der Systeme bereits vorhandene Voreingenommenheiten, Ungleichbehandlungen und Fehler schlicht replizieren. In Österreich wird über ein Jobcenter-System gestritten, das bei der Bewertung ihrer Jobchancen Frauen und Ältere diskriminiert. In den Niederlanden wurden durch automatisierte rassistische Diskriminierung zahlreiche Familien um ihren Kindergeldanspruch gebracht. Beiden Herausforderungen lässt sich durch die bewusste und sorgfältig geplante Umsetzung und Implementierung von KI-Projekten begegnen. Die Vorteile, die der Einsatz Künstlicher Intelligenz bei der Führung und der Verwaltung von Kommunen bietet, rechtfertigen die intensive Beschäftigung und Vorbereitung.

Presseinformation

„KI und Kommunen – einfach intelligent“ – Kongress „Digitale Städte – Digitale Regionen“

  • Hessens Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus: „Digitalisierung als Gamechanger sehen, verstehen und umsetzen“
  • Toolbox als Unterstützung für hessische Kommunen online


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