Hessen stärkt Schutz junger Menschen im Netz
Fachberatungsstelle bei sexualisierter Gewalt Kassel erhält 12.844 Euro für Medienprojekt zum Umgang mit Risiken im digitalen Raum
Wiesbaden/Kassel. Viele Kinder und Jugendliche haben im digitalen Raum bereits Erfahrungen mit sexualisierten Grenzverletzungen, Übergriffen oder Gewalt gemacht. Die Fachberatungsstelle faX bei sexualisierter Gewalt in Stadt und Landkreis Kassel will deshalb das Medienprojekt „Verbieten Verboten?!“ als Pilotversuch initiieren. Das Hessische Digitalministerium fördert das Projekt mit 12.844 Euro.
„Mit dem Projekt stärken wir Kinder und Jugendliche in ihrer Medien- und KI-Kompetenz und geben ihnen die Fähigkeiten, sich selbstbewusster und sicherer in digitalen Umgebungen zu bewegen. Wir geben ihnen zudem eine Stimme in einer Debatte, die sie ganz unmittelbar betrifft. Es ist entscheidend, ihre Perspektiven ernst zu nehmen, um wirksame Schutzmaßnahmen im digitalen Raum zu entwickeln und ihre Selbstwirksamkeit zu fördern. Ihre Stimme muss Grundlage unserer politischen Entscheidungen zu Mediennutzung und Schutzmaßnahmen sein“, verwies Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus auch darauf, dass im Landesaktionsplan zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt als Handlungsempfehlung die Peer-to-Peer-Unterstützung bei sexualisierter Gewalt im digitalen Raum enthalten ist.
Familienministerin Diana Stolz ergänzte: „Mit dem Landesaktionsplan setzen wir gezielt auf Aufklärung, Beteiligung und wirksame Unterstützungsstrukturen. Das geförderte Projekt setzt diese Bemühungen konkret um, indem es Kinder und Jugendliche stärkt, ihre Rechte wahrzunehmen, Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien auszubauen und sich Hilfe zu holen. Damit treiben wir den Kinderschutz in Hessen konsequent weiter voran.“
Ziel des Projektes ist es, die Perspektive von betroffenen Kindern und Jugendlichen auf Handyverbote und Altersgrenzen für Social Media stärker sichtbar zu machen und ihre Medien- und KI-Kompetenz zu stärken. In Workshops werden eigene digitale Produkte wie zum Beispiel Videoclips, Podcasts, Social Media-Beiträge zu den Themen sexualisierte Grenzverletzungen, Übergriffe, Gewalt im digitalen Raum erstellt. Diese Arbeit soll ihre Selbstwirksamkeit stärken, insbesondere im Hinblick auf ihre Kinder- und Jugendrechte sowie den Umgang mit möglichen zukünftigen Risikosituationen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt darauf, gemeinsam mit den Jugendlichen herauszuarbeiten, welche Schutzmaßnahmen im digitalen Raum notwendig sind. Die Ergebnisse fließen in die Erstellung präventiver Materialien ein, die für Fortbildungen genutzt werden können und die Perspektive der Zielgruppe authentisch abbilden. Geplant sind fünf analoge Workshops, die von einer Sozialpädagogin mit Zusatzqualifikation zur Fachkraft für Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt und einer Kommunikationsdesignerin durchgeführt werden sollen.
„Schutzmaßnahmen im digitalen Raum sind wichtig, weil Kinder und Jugendliche digitale Medien täglich nutzen und dort Chancen ebenso wie Risiken begegnen. Online-Plattformen, Spiele und soziale Netzwerke bieten Möglichkeiten zur Information, Bildung und Teilhabe, bergen aber auch Gefahren wie Cybermobbing, sexuelle Belästigung oder problematische Inhalte. Daher sind solche Pilotprojekte sehr wichtig und bieten eine neue Perspektive von Betroffenen“, so der hessische Kinderschutzbeauftragte Alexander Bauer zu dem Pilotprojekt.
„Jugendliche haben eine eigene Perspektive auf Social Media und sind darin durchaus reflektiert. Aber es braucht den Raum, dass sie angehört werden. Ein Verbot von Social Media Nutzung erleben sie als Einschränkung, auch wenn ihre Lebensrealität ist, dass sie dort alle schon einmal sexualisierte Dinge geschickt bekommen haben. Es stellt sich für die Jugendlichen die Frage, warum es im digitalen ein ungeschützter Raum ist und es wenig schützende Vorgaben gibt und Meldewege und Beschwerdebitten auf den Plattformen nahezu wirkungslos sind“, sagte Annemarie Selzer, Geschäftsführerin der Fachberatungsstelle. Mit dem Projekt sollen Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit den Jugendlichen gesammelt und am Beispiel einer kleinen, vulnerablen Gruppe von Jugendlichen ermöglicht werden, ihre Sicht und Meinung in die Diskussion einzubringen.
Quelle:
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